




CHRISTIAN BINDHAMMER
CLIMBING SPORTS WITH POWER AND PASSION
Mit dem Wettkampfklettern hat Christian Bindhammer 1993 begonnen. 1994 stellte sich bereits der Erfolg ein: Siege bei nationalen Meisterschaften. Sein erster internationaler Titel ließ dann auch nicht lange auf sich warten: Bei den Junioren-Weltmeisterschaften 1995 konnte sich der damals 19-Jährige den Vizemeistertitel sichern. Danach begann Christians Siegesserie auf nationaler Ebene. Von 1996 bis 2003 dominierte der gebürtige Landshuter die Deutschen Meisterschaften und gewann sie acht Mal in Folge. 1997 schaffte Bindhammer mit dem Erreichen eines Weltcupfinales dann den endgültigen Durchbruch. Zu seinen größten Erfolgen gehört der Sieg 2001 beim Rockmaster: In Arco stand er zusammen mit dem Japaner Yuji Hirajama und dem Tschechen Tomaz Mrazek ganz oben auf dem Podest. Weitere internationale Erfolge folgten, im gleichen Jahr noch gewann Bindhammer bei den Salewa Masters den Titel. 2004 konnte er die Internationalen Masters in Guangdong (China) und Lhasa (Tibet) für sich entscheiden.
Auch am Fels gelangen ihm Begehungen weltweit schwierigster Routen, darunter unter anderem „Action Directe“, ein Meilenstein des Klettersports sowie Erstbegehungen im höchsten Niveau. Und auch im Alpinen Sportkletterbereich setzt er mit schnellen Begehungen, wie zuletzt „Hotel Supramonte“ neue Akzente im Klettersport.
Bereits in jungen Jahren entdeckte Christian gemeinsam mit Bruder Andreas den Sport für sich, denn die bergbegeisterten Eltern nahmen ihre Söhne oft mit in die Alpen. Auch heute ist die Familie weiter eng verbunden. Zusammen führen Andreas und Christian ein erfolgreiches Outdoor-Unternehmen. Außerdem leitet Christian den deutschen Vertrieb des Kletterwandherstellers SintROC, der mit seiner Rockmaster-Wand in Arco berühmt wurde. Dadurch kann Christian sein ganzes Kletterwissen und seine Erfahrungswerte gut in die Arbeit einbringen.
Allerdings macht ihm das Klettern am Fels mehr Spaß als an Plastikwänden. "Das Gefühl der immer unterschiedlichen Bewegungen, der Erfolg, der Kontakt zur Natur und nicht zuletzt das Überwinden von Problemen und das Erreichen von Zielen kann eigentlich nicht nur in der Halle und am Plastik stattfinden", rät Bindhammer auch der Kletterjugend unbedingt draußen zu trainieren. Er selbst erhält sich dadurch seine Motivation: "Die Philosophie des Ganzen beginnt einfach am Fels. Die Begeisterung daraus muss man mitnehmen und spüren."
Abseits des Wettkampfgeschehens sind dem mehrfachen Deutschen Meister Historie und Routencharakter wichtiger als der Schwierigkeitsgrad. Am liebsten klettert er in Südfrankreich, besonders die Gebiete um Nizza haben es ihm angetan. Gleichzeitig bietet ihm die Côte d'Azur die Möglichkeit, sich zu entspannen. Als seine positiven Charaktereigenschaften nennt Christian seine optimistische Einstellung und sein realistisches Einschätzungsvermögen, negativ sei manchmal sein unersättlicher Ehrgeiz, der oft alles und vor allem die nahesten Menschen um ihn herum mitbestimmen könne.
Mountains2b.com: Seit wann klettern Sie? Wie sind Sie zum Klettersport gekommen?
Christian Bindhammer: Da meine Eltern schon immer sehr bergbegeistert waren, kamen mein Bruder und ich recht oft in die Alpen. So begann das Interesse für den Klettersport schon sehr früh.
Mountains2b.com: Wie viel Zeit nimmt das Klettern in Ihrem Tagesablauf ein?
Christian Bindhammer: Sehr großen Zeitraum direkt beim Training aber auch die Organisation der Örtlichkeit nimmt viel Zeit in Anspruch, da ja immer verschiedene Themen gefragt sind und zu einseitiges Training an immer dem gleichen Ort nur wenig bewirkt.
Mountains2b.com: Wie bereiten Sie sich auf einen Wettkampf vor? Wie trainieren Sie generell?
Christian Bindhammer: Vor einem Wettkampf ist die Motivation eigentlich ein sehr großes Thema, das heißt wenn ich zu viel an Plastikgriffen trainiert habe und ich dessen etwas müde bin, kann es schon durchaus sein, dass ich das klettere was mir meist mehr Spaß macht: Nämlich am Fels. Auch wenn das Training vielleicht was anderes für mich parat hätte. Wobei ich auch sonst sehr intuitives Training betreibe. Oft bestimmt sich der Ablauf auch durch Wettereinflüsse, dem derzeitigen Trainigsstand und auch durch die örtlichen Begebenheiten wie die Wettkampfwand, die man vielleicht schon aus früheren Wettkämpfen kennt. Zusätzlich haben die jeweiligen Routensetzter immer einen bestimmten Stil, mit dem man sich befasst, um so noch spezifischer trainieren zu können.
Mountais2b.com: Welche Wettkämpfe der Saison sind für Sie die wichtigsten und warum?
Christian Bindhammer: Großen Stellenwert haben bei mir eindeutig die internationalen Wettkämpfe. Das schließt Weltcups, Welt- und Europameisterschaft ein, aber auch die immer häufig werdenden, privat organisierten Masters in allen möglichen Ländern machen richtig Spaß. Natürlich ist das Rockmaster in Arco auch immer ein besonderes Erlebnis. Dort dabei zu sein ist schon ein enormes Privileg. Danach folgen dann natürlich die Deutschlandcups und die Deutschen Meisterschaften, auf die in Deutschland selbst sehr großen Wert gelegt wird (wobei sich diese vom internationalem Geschehen schon sehr unterscheiden).
Mountains2b.com: An welchen Wettkampf denken Sie am liebsten zurück?
Christian Bindhammer: An meinen Erfolg beim Rockmaster 2001 - das ist das Wimbledon im Klettern! Diesen Sieg musste ich zwar mit dem Japaner Yuji Hirajama und dem derzeitigen Weltmeister Tomaz Mrazek gemeinsam teilen, aber ich wusste definitiv, dass wenn mir das Wetter nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte, ich im Superfinale vielleicht durchaus als alleiniger Sieger dagestanden hätte. Meine Chancen waren sehr gut, ich war top motiviert und einfach super im Training, so was spürt man. Allerdings ist es keine Schande, einen solchen Titel gemeinsam mit so hochkarätigen Leuten zu teilen.
Mountains2b.com: Was ist Ihr größter sportlicher Erfolg? Was ist ihr größter persönlicher Erfolg?
Christian Bindhammer: Ich hatte schon sehr viele große Erfolge, sportlich am Fels und im Wettkampf. Jeder für sich prägt mich und mein Leben und war etwas ganz Besonderes. Herausragend sicherlich war die Begehung der Action Directe und der Sieg im Rockmaster 2001. Der allergrößte Erfolg ist aber, dass ich nie bereut habe den Klettersport so intensiv zu betreiben und ich immer noch so viel Spaß an diesem Sport und an den Erlebnissen mit ihm habe.
Mountains2b.com: Welches Resultat hat Sie am meisten geärgert und warum?
Christian Bindhammer: Weniger das Resultat, sondern mehr die gesamten Abläufe bei verschiedenen Wettkämpfen können mich richtig ärgern, wie etwa die Meisterschaft in Duisburg 2004. Vor allem, wenn die Veranstaltung dann nachträglich und höchst offiziell als gelungen betitelt wird…
Mountains2b.com: An welchen (internationalen) Wettkämpfen an der Kletterwand haben Sie bereits teilgenommen, an welchen noch nicht?
Christian Bindhammer: Oh je… ich befürchte das würde den Rahmen sprengen… An sehr sehr vielen! Da ich schon mit dem Wettkampfklettern im Jahre 1992 begonnen habe, gibt es kaum einen Wettkampfort, an dem ich noch nicht gewesen bin. Insgesamt komme ich fast schon auf 200 Wettkämpfe, an denen ich bisher teilgenommen habe...
Mountains2b.com: Welche sportlichen Ziele verfolgen Sie? Was sind Ihre persönlichen Ziele?
Christian Bindhammer: Das ist das gute am Klettersport! Selbst wenn man schon vieles erreicht hat, es gibt immer jede Menge neue Ziele für mich. Meine Hauptziele werden aber weiterhin die schwierigsten Routen der Welt sein. Doch auch alpine Sportklettereien im High-End-Bereich würden mich in Zukunft sehr reizen.
Mountains2b.com: Welche Routen wollen Sie in nächster Zeit gerne am Fels klettern? Welche Erfahrungen haben Sie bereits am Fels gesammelt?
Christian Bindhammer: Routen gibt es auf der ganzen Welt so viele, doch Namen wie „La Rambla“ in Spanien und „Realisation“ in Frankreich haben schon international einen hohen Stellenwert. Oder auch Klassiker wie „Just do it“ in Amerika, die zwar nicht den höchsten Schwierigkeitsgrad hat, aber dafür zählt hier der Routen-Charakter und die Historie für mich mehr als die Schwierigkeit.
Ich befürchte für meine Tick List muss ich Sie auf meine Homepage vertrösten, da sie einfach zu lang wäre. Mittlerweile sind es fünf Begehungen von 9a Routen, und im 8c+ Bereich sind es schon 23 an der Zahl.
Mountains2b.com: Welches ist Ihr liebstes Klettergebiet und warum?
Christian Bindhammer: Man kann sagen, dass es meine Frau und mich meist nach Südfrankreich zieht. Speziell die Gebiete um Nizza haben ein besonderes Flair... Aber eigentlich hat fast jedes Klettergebiet seine Reize beziehungsweise einen hohen Wert und bietet mir als Kletterer sehr viel Abwechslung.
Mountains2b.com: Wie viel Zeit verbringen Sie im Verhältnis zueinander am Fels/ in der Kletterhalle?
Christian Bindhammer: Wettkampfbedingt bin ich sehr oft in der Halle, gerade auch für das Aufbautrainig über den Winter hindurch, aber sonst hält es sich in der Waage. Meine Liebe gilt eindeutig dem Felsklettern.
Mountains2b.com: Was oder wer richtet Sie nach einem Misserfolg wieder auf? Wie motivieren Sie sich für neue Aufgaben?
Christian Bindhammer: Grundsätzlich kann man sagen, wenn es im Wettkampf mal nicht so läuft, kann ich mich wieder umso mehr für das Felsklettern begeistern. Und manchmal auch umgekehrt. Deshalb ist es so wichtig, beide Bereiche zur Motivation zu betreiben. Zusätzlich fängt natürlich auch ein gutes persönliches Umfeld eine Menge auf.
Mountains2b.com: Gibt es etwas, dass Sie gerne an Ihrer Klettertechnik verbessern würden?
Christian Bindhammer: Meine Frau schimpft mich immer, dass ich so wenig Wert auf mentales Training lege, aber ich bin halt eher der rationale Energietyp und arbeite viel mehr am Training und an der Taktik.
Mountains2b.com: Hatten Sie schon einmal mit schwereren Verletzungen zu kämpfen? Wenn ja, wie lange mussten Sie pausieren?
Christian Bindhammer: Glücklicherweise hatte ich, außer mal ein kurzfristiges Verspannungsproblem, was mit Massage und Physio gut zu regulieren war, keine größeren Probleme. Was aber immer mal besondere Pflege braucht, sind die Finger beziehungseise Kapseln und auch die Bänder. Da kann schon mal der ein oder andere Zug in einer oft probierten Route Probleme an einzelnen Fingern machen. Aber da ich immer sehr strikt darauf achte, sofort dagegen etwas zu unternehmen und ich durch den Nationalkaderarzt Dr. Volker Schöffl auch eine gute Betreuung habe, ist so etwas meist in ein paar Wochen wieder okay.
Mountains2b.com: Wie stellen Sie sich das Leben nach dem aktiven Wettkampfklettern vor?
Christian Bindhammer: Der Fels ruft!
Mountains2b.com: Was hat sich in Deutschland im Laufe der Zeit im Klettersport verändert? Was vermissen Sie (noch)?
Christian Bindhammer: Es hat sich viel verändert. Der Sport gewinnt wirklich zusehends an Popularität und bringt vieles weiter, wenn auch schleppender als in anderen Trendsportarten, die von den Medien oft von Null auf Hundert hochgepuscht werden.
Was ich vermisse? Kurzum: Mehr effektive Medienarbeit, mehr Respekt den Athleten gegenüber, mehr Professionalität bei Veranstaltungen.
Mountains2b.com: Was würden Sie dem deutschen Kletter-Nachwuchs für Tipps mit auf den Weg geben?
Christian Bindhammer: Klettert nicht nur am Plastik, geht auch an den Fels um euch die Motivation auf Dauer zu erhalten! - Einige tun das schon von Anfang an, aber manche eben nicht. Die Philosophie des Ganzen beginnt einfach am Fels. Die Begeisterung daraus sollte man mitnehmen und spüren. Vielleicht als Pflichtprogramm die Güllich Biografie lesen! Aber das muss natürlich jeder für sich entscheiden. Doch das Gefühl der immer unterschiedlichen Bewegungen, der Erfolg, der Kontakt zur Natur und nicht zuletzt das Überwinden von Problemen und das Erreichen von Zielen kann eigentlich nicht nur in der Halle und am Plastik stattfinden.





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